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Soaps sind Fluch und Segen

Dezember 2nd, 2009 · No Comments

Seifenopern und Telenovelas finden immer mehr den Weg in die Wohnzimmer; schon aus dem einfachen Grund, dass immer mehr davon gesendet werden. Auf jedem Sender, der sich nicht als Nachrichtensender versteht, findet man diese Soaps und deren Stars. Meist wird die eigentliche Tagessendung ausgestrahlt, und die vom Vortag irgendwo noch einmal wiederholt. Viele Menschen sind völlig aus der Bahn geworfen, wenn der Sendeplatz einmal für andere Dinge, wie Fußball- Handball oder Tennisspiele, die ebenso viele Fans haben, benötigt wird. Sie können es dann kaum erwarten, bis das Sportereignis wieder vorbei ist, und die Seifenoper, an deren täglichen Geschehen sie beinahe mit persönlichem Interesse teilnehmen, wieder gesendet wird.

Die Ideen der Autoren dieser Sendungen sind aber auch sehr vielfältig. Dies muss jedoch auch so sein, denn schließlich wollen die Fans ihren Stars, die für sie beinahe so etwas wie Nachbarn geworden sind, nicht beim Abendessen zusehen, sondern mit diesen gemeinsam etwas erleben. Paare finden sich, lieben und streiten sich, trennen sich wieder, um sich dann noch einmal zu versöhnen, bevor es ganz auseinander geht. Affären gibt es, ebenso wie ganz spektakuläre Erlebnisse, wie das Outing einer Lesbe, die einst glücklich mit einem Mann verheiratet war. Biester gibt es in jeder dieser Soaps, gleich, ob männliche oder weibliche. Ob per Detektei die Herkunft einer Ehefrau ausspioniert werden soll, oder unsaubere Machenschaften immer wieder ungestraft zum Erfolg führen, alles wird mit Spannung und Interesse verfolgt.

Immer wieder entscheidet sich einer der Schauspieler, es einmal in einem anderen Genre zu versuchen, und scheidet aus der Seifenoper aus. Bei manchen ist der Zuschauer froh, ihn nicht mehr sehen zu müssen, bei anderen sitzt die Hausfrau tränenüberströmt vor dem Fernseher, weil ihr Held bald nicht mehr mitspielt, und in der Serie einen spektakulären Tod stirbt, oder sich auf andere, nicht weniger dramatische Weise verabschiedet. Man kann sogar kleine Rollen gewinnen, und wenn man dieses Glück hat, steht man selbst einmal als Komparse oder in einer kleinen Nebenrolle vor der Kamera.

Die eigentliche Zielgruppe von Soaps sind Jugendliche, aber auch erwachsene Menschen sitzen Tag für Tag oder Woche für Woche zur heiß erwarteten Sendezeit vor dem TV Gerät, um endlich wieder in die Welt der Seifenoper einzutauchen. Ob in Berlin Mitte, in der Schillerstraße in Köln, auf dem Marienhof oder wo sonst die Drehorte der Serien beheimatet sind: Man ist als Zuschauer schon während der Titelmelodie ganz nah bei den Titelhelden, die man kennt, als wäre man mit ihnen aufgewachsen.